Dienstag, 18. Mai 2010

BEINhart BE(e)INdruckend..

Spätabends wusste ich nur eines, ich will und muss schreiben. Also nicht „müssen“ weil mir jemand ein Messer an die Kehle presst, sondern weil ich mir endlich mal wieder eine Nacht im Tiefschlaf gönnen wollte. Das mit dem „Schreiben auf Knopfdruck“ ist jedoch so eine Sache, die bei mir selten funktioniert. Trotzdem quetschte ich mich mit Stift und Block in meinen Schreibsessel und zwang mich zum Nachdenken. Welche Themen waren so bedeutungsvoll, dass sie es verdient hatten in meinem Blog erwähnt zu werden?

Ich grübelte, bis meine grauen Hirnzellen beinahe den Freitod wählten. Nicht nur mein Gehirn wollte nicht mehr arbeiten, auch meine Beine – die ich mühsam auf dem Stuhl ineinander geschlungen hatte – machten sich unangenehm bemerkbar. Sie kribbelten hartnäckig, doch ich schenkte ihnen keine Beachtung und tüftelte weiter an einem ultimativ genialen Thema. Irgendwann wurde es ihnen zu bunt und sie schliefen ein. Einfach so. Als ich mich regte, begannen sie wie Feuer zu brennen. Sie kribbelten und surrten, als wollten sie mich kitzeln. Oder war es eher ein Wachrütteln? Meine Beine sind verdammt clever. Sie hatten nämlich ohne ein Wort zu sagen ihr Ziel erreicht. Ich war wachgerüttelt – ich hüpfte auf einem Bein quer durch das Wohnzimmer und wünschte mir, dass das Taubheitsgefühl und das lästige Kribbeln endlich aufhörten.

Wie ich da so bescheuert umher hüpfte, erschien endlich die langersehnte, leuchtende Glühbirne über meinem Kopf, wie wir sie aus Comic-Zeitschriften kennen. Der Funke sprang durch die Beinarbeit wortwörtlich über: Wer hatte es mehr verdient, dass über sie geschrieben wird, als unsere eigenen Beine. Die, die uns seit Jahren überall treu begleiten und hintragen – egal an welchen Ort und ohne sich BEINahe den Freitod zu wünschen. Ohne sie wären für uns alltägliche Dinge wie zum Beispiel gehen, aufstehen, Rad fahren usw. beschwerlich und zeitraubend. Ohne sie könnten die Männer nicht vor den Damen auf die Knie fallen und sie um ihre Hand anhalten (Och, schade. *seufz*). Ohne sie könnten wir in Notsituationen nicht um unser Leben rennen. Ohne sie könnten Männer nicht im Stehen pinkeln (darüber lässt sich jedoch streiten, ob das nun ein Vor- oder Nachteil ist…). Ohne sie könnten wir niemandem „ein Bein stellen“. Niemand würde „das Tanzbein schwingen“. Und sich schon gar nicht „für jemanden ein Bein ausreissen“. *autsch*

Beine sind wahnsinnig vielseitig und begabt. Sie können schlafen, jucken, brennen, schmerzen, bluten, rennen oder stützen. Sie sind irgendwie lebendig, auf ihre eigene Art und Weise. Sie sind dehnbar, beweglich, stark, und manchmal sogar angriffslustig. Spätestens dann, wenn wir das unkontrollierbare Bedürfnis verspüren, jemandem gehörig in den Hintern zu treten.

Viele Menschen sehen den Besitz eines eigenen Fortbewegungsmittels in Form eines Autos oder eines Fahrrades als Luxus an. Vergessen wir dabei nicht, dass die meisten von uns – auch ohne Auto oder Fahrrad – ein eigenes Fortbewegungsmittel besitzen? Und erst noch eines, das massgeschneidert auf jeden von uns passt. Haben wir uns schon mal überlegt, wie wichtig unsere Beine für uns sind, welche wir vorwiegend als viel zu selbstverständlich nehmen?

So gesehen sind wir reich. Reich weil wir ein Geschenk – nein, eigentlich gleich zwei Geschenke – erhalten haben. Beine schenken uns alles, was wir brauchen, um uns wohl zu fühlen. Sie schenken uns Bewegungsfreiheit, Sprungkraft, Geschwindigkeit und die Fähigkeit, durch unsere eigene Antriebskraft auf Menschen zu zugehen und sie in die Arme zu schliessen. Menschen, die wir lieben und die uns genauso wichtig sind, wie es die Beine für uns sein sollten.

Kein Bein gleicht dem anderen. Beine sind Individuen. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Sie schenken uns etwas von unschätzbarem Wert, unsere Unabhängigkeit – und somit auch Freiheit.

PS: Und jetzt weiss ich endlich auch woher das Wort „Beinfreiheit“ kommt. Hals-und Beinbruch!


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